Für Kreativität gibt’s kein Patentrezept

Seit der Diskussion um die Arbeitsbedingungen bei der Hamburger Agentur Jung von Matt ist das Thema Kreativität am Arbeitsplatz wieder heiß diskutiert. Große Kontroversen entstehen dabei beim Thema Schreibtisch und Teamwork. Da spalten sich in der Welt der Kreativ-Professoren die Geister. Die einen finden, dass ein aufgeräumter Schreibtisch für den Geistesblitz des Jahrtausends sorgen kann. Wieder andere sind überzeugt davon, dass sich auf einem blitzblanken Schreibtisch nie im Leben ein kreativer Stimulus entwickeln kann. Dazu braucht man eine kreative Umgebung, ein buntes Chaos. Dasselbe gilt übrigens für das Thema Teamwork und Ideenfindung. Viele Ideen, so glauben die einen, entstehen nicht in der Gruppe, sondern kommen aus dem genialen Kopf eines einzelnen gemeinschaftsfeindlichen Genies, der anders denkt, als alle anderen. Den sollte man aber wirklich nur Ideen in seinem Kämmerchen entwickeln lassen, denn er ist mitunter nicht besonders empathisch und eignet sich nicht als Führungskraft.  Andere Dozenten glauben wiederum mehr an Kreativität im Kollektiv. Eine kleine Gruppe aus bis zu fünf Menschen kann gemeinsam mit anderen kreativer sein, als alleine, und in rund 30–90 Minuten geistreiche Spitzenergebnisse erzielen.

Was nun der beste Weg zur Kreativität ist, scheint Ansichtssache zu sein. Geht man mal durch das eigene Büro und fragt seine Kollegen, wird man sicher von jedem eine andere Antwort bekommen. Die einen brauchen einen sauberen und aufgeräumten Schreibtisch. Die anderen brauchen ein Chaos aus Zetteln, Zeichnungen und Buntstiften. Wieder andere gehen spazieren und lassen sich in der Natur inspirieren. Manche sind frühmorgens kreativ, andere nachts. Viele sind gar nicht am Schreibtisch kreativ, sondern bekommen ihren Geistesblitz im herabschauenden Hund beim Yoga. Und manchen kommt die richtig gute Idee eben beim Brainstorming mit den Kollegen.

Die Arbeitsumgebung gezwungen bunt und kreativ zu gestalten, weil das in der Werbebranche gerade hip ist, ist auch nicht unbedingt des Rätsels Lösung. Vielleicht sitzt der Mitarbeiter nämlich lieber in einem hellen, einsamen Büro anstatt auf Quadratwürfeln im bunten Großraumbüro. Das kann man sich natürlich nicht immer aussuchen – aber wichtig ist es, dass der Mitarbeiter sich an seinem Arbeitsplatz wohlfühlt. Und das tut er dann, wenn er seinen Schreibtisch so nutzen kann, wie er möchte – chaotisch oder blitzblank aufgeräumt.

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