Abhängig vom Smartphone? Ich doch nicht!

Kürzlich saß ich mit ein paar Freunden nach der Arbeit zusammen in der Kneipe. Natürlich hat jeder sein Smartphone vor sich liegen. Alle paar Minuten leuchtet es dann auch auf. Emails. WhatsApp-Nachrichten. Facebook-Messenger. Meine Freundin Laura klickt alle drei Minuten auf den Home-Button, checkt ihr Display und die Uhrzeit. Kennen Sie auch? Nicht mal meine Eltern können ihr Smartphone noch aus der Hand legen. Während ich als kleines Kind nicht mal beim Essen lesen durfte, darf mein Vater dabei heute Quizduell spielen.

Das Smartphone ist so übertrieben anwesend in unserem Leben, dass es für alle völlig normal ist, es immer bei sich zu haben und ununterbrochen zu benutzen. Klar, alles ist drauf: Alle wichtigen Apps, der Terminkalender, die Mails. Früher hat man in der Zeit mal in den Taschenkalender geguckt. Aber trotzdem: Wie muss sich eigentlich mein Gegenüber fühlen, wenn ich immerzu auf mein Handy schaue? Wie desinteressiert und abhängig kann man eigentlich sein? Das möchte natürlich keiner hören. Niemand hat schließlich die Absicht, von einem Smartphone abhängig zu sein. Ich selbst bin natürlich auch nicht besser, so ist es ja nicht. Besonders schlimm ist es im Büro. Ich beantworte eine E-Mail, dann muss ich mich erst einmal vergewissern, dass ich keine neuen Nachrichten in meinen zahlreichen WhatsApp-Gruppen verpasst habe. Und schon bin ich raus aus dem Workflow und drin in der App-Welt. Und dann nochmal kurz bei Facebook geschaut… Ganz ehrlich: Das macht mich unproduktiv. Am Ende des Tages frage ich mich, was ich eigentlich geschafft habe. Vielleicht sehe ich es in irgendeinem Chat-Verlauf.

Alle 18 Minuten greift irgendwer zum Smartphone

Der Juniorprofessor der Uni Bonn, Alexander Markowetz, findet ja eine digitale Diät ratsam. Im Rahmen der Menthal-Balance-Studie hat er eine App entwickelt, die dem User zeigt, wie viel Zeit er täglich mit seinem Smartphone verbringt und welche Apps er am Meisten nutzt. Die Daten werden von dem Forschungsteam ausgewertet. Erste Untersuchungen am Institut haben`s schon gezeigt: 88 Mal pro Tag schalten wir den Bildschirm unseres Smartphones an. Geht man von acht Stunden Schlaf aus, unterbricht man seine Tätigkeit alle 18 Minuten, um zum Handy zu greifen. Zweieinhalb Stunden verbringt der durchschnittliche Nutzer mit seinem Gerät. Im Gespräch mit der FAZ findet Markowetz klare Worte für die Folgen der Handynutzung: „Die ständige Erreichbarkeit und Interaktion laugen uns aus.“ Hat er Recht. Hatte man früher mal eine Pause, in der man einfach mal seinen Gedanken nachhängen konnte, während man auf den Bus gewartet hat, verbringt man sie jetzt mit einem Blick aufs Handy. Auf Freunde in der Kneipe warten? Nur mit Smartphone. Immer mehr Leute um mich herum sind davon genervt. Vielleicht ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis eine neue Trendwelle namens Smartphone-Diät über die Gesellschaft hinweg schwappt.

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