Der beste Weg zu einer guten Idee? Viele Ideen!

Der steigende Wettbewerb macht es nötig, immer wieder neue, gute und kreative Ideen zu entwickeln, um sich von der Konkurrenz abzuheben – gerade in der Werbung. Entwickeln sich Unternehmen nicht ständig weiter, sind sie so gut wie tot. Doch mit der Kreativität ist das so eine Sache. Ganze Bücher sind zum Thema „Wie werde ich kreativ?“ entstanden. Googeln Sie einfach mal „Kreativität in Unternehmen steigern“ und sie bekommen seitenweise Anregungen und Tipps, darunter auch ziemlich viel Groteskes. Der leicht skurrile japanische Erfinder Nakamatsu Yoshiro beispielsweise hält gerne seinen Kopf unter Wasser. Kurz vor der Bewusstlosigkeit habe er nämlich die besten Ideen. Erfolgreiche Schriftsteller geben an, sich für das neue Werk irgendwohin zurückzuziehen, die Verbindung zur Außenwelt zeitweise zu kappen und sich nur dem Buchinhalt zu widmen. Vielleicht hängt Kreativität auch eng mit Routine und geregeltem Arbeitsablauf zusammen. Immanuel Kant beispielsweise hat vierzig Jahre lang an der Königsberger Universität die gleichen Kurse gegeben und auch sonst einen streng geregelten Tagesablauf verfolgt.

Es gibt also scheinbar viele Wege zur Kreativität. Fragen Sie mal Ihre Kollegen, wann und wo sie kreativ sind. Da werden Sie Antworten kriegen wie: „beim Feierabendbier“, „beim Joggen“, „beim Einschlafen“ oder „im Urlaub“. Niemand ist kreativ, wenn er am Schreibtisch sitzt. Denn in den meisten Fällen bedeutet Schreibtisch: Störung, Stress und Pflicht. Und das sind ganz sicher nicht die richtigen Faktoren für kreativen Flow.

Wo alle gleich denken, denkt keiner sehr viel

Kreativ sein klappt nicht auf Knopfdruck. Ob Kreativität gefördert wird oder als nicht wichtig eingeschätzt wird, kommt auch aufs Unternehmen und die Branche an. Google beispielsweise gilt in diesem Zusammenhang als Vorzeigeunternehmen mit einer recht kreativen Unternehmenskultur mit bunten Räumen und einer produktiven Arbeitsumgebung. Tatsächlich scheint es in Unternehmen Innovationen zu fördern, wenn starre Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Rollen und ein autoritärer Führungsstil vermieden werden, sondern vielmehr ein Rahmen geschaffen wird, in dem jeder vorurteilsfrei sein kann, wie er ist und sagen kann, was er denkt. Der amerikanische Journalist Walter Lippmann hat es mit diesem Satz auf den Punkt gebracht: „Wo alle gleich denken, denkt keiner sehr viel“. Gerade Mitarbeiter, die anders denken, anders sind oder aus anderen Arbeitsbereichen kommen, geben oft den Input für gute Ideen. Macht man ein Brainstorming mit einer Gruppe von Mitarbeitern, schadet es deshalb nicht, wenn die Gruppe vielfältig zusammengesetzt ist – auch wenn es auf den ersten Blick aussieht, als könnte es nicht funktionieren. Jeder sollte seine Ideen einbringen, und sind sie auch noch so abstrus. Denn der beste Weg zu einer neuen Idee ist es, viele Ideen zu haben.

Ein leerer Raum mit einer Wand auf der steht "Raum für Ideen"

Wie entstehen Ideen? – Zwei Tipps

1. Starten Sie Ideenprozesse an einem öffentlichen Ort, beispielsweise in der Agenturküche. Stellen Sie einen Flipchart auf, schreiben Sie ein Wort drauf, das beispielsweise mit einer neuen Kampagne zusammenhängt. Jeder Mitarbeiter, der sich einen Kaffee holt oder einen kleinen Plausch in der Küche hält, hat vielleicht in dem Moment eine gute Idee, die er dazuschreibt. Und so den nächsten inspiriert.

2. Eine andere Methode ist die Kopfstandtechnik. Bei dieser Technik formuliert man als erstes ein Problem oder eine Frage. Als Beispiel – aus dem Leben gegriffen: Wie nehme ich ab? Dann verkehrt man die Frage in das Gegenteil: Wie nehme ich zu? und sammelt alle Attribute, die nötig sind, um zuzunehmen: Viele ungesunde Sachen essen, am besten Fastfood, viele Süßigkeiten, keinen Sport treiben. Diese wiederum kehrt man ins Gegenteil um: Gesunde Dinge essen, keine Süßigkeiten, Sport treiben. Erarbeitet man für ein Unternehmen eine Maßnahme, die Dienstleistung oder Service verbessern soll, überlegt man also erst einmal, wie man den Service verschlechtern kann – beispielsweise durch Kundenunfreundlichkeit, schlechte Sortierung, unübersichtliche Dienstleistungen – und kehrt diese negativen Faktoren ins Positive um. Klingt absurd – funktioniert aber für viele Problemstellungen.

Das Arbeitsumfeld muss stimmen – räumlich und persönlich

Hinzu kommt ein positives und anregendes Arbeitsumfeld: Vielleicht stellt man den Mitarbeitern kreative Räume zur Verfügung, so wie Google, wo Besprechungen in Räumen abgehalten werden können, die aussehen wie U-Bahnen oder Gondeln. Vielleicht brauchen die Mitarbeiter auch ein bisschen Freizeit in der Natur, um gute Ideen zu entwickeln oder einen kreativen Austausch mit den Kollegen. Soll im Unternehmen ein kreativer Flow entstehen, ist angstfreies Arbeiten und eine positive Fehlerkultur die wesentliche Voraussetzung. Jeder Mitarbeiter hat seine Stärken und Schwächen. Arbeitet man die heraus und nutzt sie, kann das für das Unternehmen nur von Vorteil sein.