Bürohunde – ist das jetzt gut?

Gehört hatte ich das ja häufiger in letzter Zeit: Sein Haustier mit zur Arbeit zu nehmen, scheint ein neuer Trend zu sein. Ich kenn das ja eigentlich nur aus der Uni. Als ich da als studentische Hilfskraft im Fachbereich Theaterwissenschaft angestellt war, hatte die Sekretärin auch immer ihren Hund mit. Der pinkelte gern mal in die Ecken, sorgte bei Studenten immer für Unmut, weil die Tür zum Sekretariat auch innerhalb der Sprechzeiten häufig geschlossen war (die Bedürfnisse des Hundes gehen halt vor die der Studenten) und wurde im Allgemeinen nur deshalb toleriert, weil wir alle ohne die Sekretärin völlig aufgeschmissen gewesen wären.

Neuer Trend?

Jetzt erzählen immer mehr meiner Bekannten von ihren „Bürohunden“. Klein oder groß, laut oder leise, gefräßig und nach Streicheleinheiten lechzend oder verschlafen in der Ecke liegend – immer mehr Büros scheinen über diese haarigen Mitbewohner zu verfügen. Ich höre es auf jeden Fall immer öfter mal bellen, wenn ich in einer Agentur anrufe. Auch auf den Webseiten findet man sie inzwischen häufig, die Aufgaben der Agenturhunde scheinen irgendwo zwischen Sicherheits- und Gute-Laune-Beauftragter zu liegen. Und darin, möglichst niedlich von der Firmenwebsite zu schauen.

Helfer gegen Burnout

Hunde im Büro senken laut dem Bundesverband Bürohund das Stresslevel der Mitarbeiter. Beim Streicheln eines Hundes erhöht sich die Produktion des Hormons Oxytocin, das in Verbindung mit Ruhe und Vertrauen gebracht wird. Ebenfalls soll es verantwortlich für ein Senken des Blutdrucks sein (und es spielt eine wichtige Rolle bei Wehen und Geburt, aber das wollen wir ja nun wirklich nicht im Büro erledigen!). Die Anwesenheit eines Hundes macht uns also insgesamt gelassener und glücklicher und schützt so vor Burnout, wenn man den Erklärungen der vielen Hundebesitzer glauben will.

Mit meiner neuen Kollegin zieht auch bei uns im Büro ein Hund ein. Ich bin nicht davon überzeugt, dass ich gelassener werde, wenn ich um Essen angebettelt werde und ständig über einen Hund stolpere. Und was, wenn ich eine Allergie habe? Also ich weiß nicht, ob das jetzt gut ist.

Neue Erfahrung

Und dann ist es soweit. Die neue Kollegin und der Hund Jack ziehen ein. In das Büro neben mir. Am ersten Tag war er ein bisschen schüchtern und wich der Kollegin (die an ihrem ersten Tag auch ein bisschen schüchtern war) nicht von der Seite. Gut. Kein ungewollter Besuch in meinem Büro (zumindest nicht vom Hund), kein Stolpern auf dem Gang, keine Allergie – alles gut. Im Verlauf der ersten Woche wurde er zutraulicher und verlangte Streicheleinheiten zur morgendlichen Begrüßung. Gut, auch damit kann ich umgehen, wenn es denn nicht mehr wird, dachte ich…

Schnelle Gewöhnung

Innerhalb weniger Wochen erwische ich mich dabei, dass ich meine Arbeit kurz unterbreche und mich mit Jack beschäftige, wenn er mich in meinen Büro besuchen kommt. Nicht nur das, ich horte (neben meinen eigenen) auch Snacks für Hunde in meinem Schreibtisch, gucke mir im Supermarkt die Abteilung mit Hundespielzeug an und bin tatsächlich ein bisschen beleidigt, wenn andere Kollegen morgens überschwänglicher als ich begrüßt werden (vom Hund natürlich, bei menschlichen Kollegen reicht mir ein gemurmeltes „Guten Morgen“). Anscheinend ist Jack doch eine Bereicherung für meinen Arbeitsalltag. Zwei Minuten den Hund streicheln ist besser, als sich zehn Minuten zu ärgern, weil irgendwas nicht geklappt hat.

Und der Hund?

Menschen scheint die Anwesenheit von Hunden am Arbeitsplatz also gut zu tun. Bessere Laune, weniger Stress durch kleine Ablenkungen zwischendurch und nicht zuletzt (gerade für die Hundebesitzer) höhere Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz sind Vorteile, die nicht so leicht von der Hand zu weisen sind. Selbst ich war schnell überzeugt. Aber wie geht es den Hunden dabei?

Auch für die meisten  Hunde ist es entspannter, wenn sie morgens einfach mit zur Arbeit kommen können, anstatt den Tag alleine zu Hause zu verbringen oder zum Hundesitter zu müssen. Unser Bürohund ist zumindest gern hier. Einige Dinge sollte man aber auf jeden Fall beachten.

 

Bürohund Jack

Auch der Hund braucht einen Arbeitsplatz

Am wichtigsten ist, dass der Hund durch die Zeit im Büro keinen Stress bekommt. Dazu muss sich der Hund einerseits eignen, dass heißt, er sollte sich nicht durch Menschen, Telefonklingeln und mitunter hektische Stimmung aufregen lassen. Aber auch der entspannteste Hund braucht ein gewisses Umfeld, um entspannt zu bleiben. Dazu gehört vor allem ein eigener Arbeitsplatz, also ein festen Rückzugsort in Form einer Decke oder eines Korbs, der nur dem Hund gehört und wo er schlafen oder chillen kann. Am besten stört ihn dort auch keiner. Wasser und Futter sollten auch immer ausreichend vorhanden sein (die Snacks, die die lieben Kollegen bereithalten, sollten sich in Maßen halten, auch Hunde werden dick) und die Pausen mit Spaziergängen sollten regelmäßig stattfinden. Wenn dann niemand eine Allergie hat, steht dem Büroalltag mit Hund nichts mehr im Weg.

Der Alltag

Während ich diesen Text geschrieben habe, bin ich einmal von Jack besucht worden. Genau in dem Moment, als die Fotos sich wieder einmal nicht in den Blog hochladen lassen wollten. Statt mich zu ärgern hab ich ihn gestreichelt. Und um die Frage zu beantworten: Ja, das ist gut.