Arbeiten, wo andere Urlaub machen

Ich kann überall auf der Welt arbeiten. Ich brauche nur meinen Laptop (und die Betonung liegt hier auf MEINEM, sollte der jemals kaputt gehen, habe ich ein Problem), eine Steckdose und WLAN. Ob ich diese drei Sachen in Honululu oder in Bergisch Gladbach habe, ist egal, solange sich für den Notfall ein einheimischer Nerd finden lässt, der mir hilft, wenn der Laptop nicht mehr ins Internet will. Klappt die Verbindung noch, frage ich bei Problemen lieber einen Nerd zu Hause. Der kennt wenigstens meine Macken und die meines Laptops.

Geschichten findet man auch unterwegs

Ansonsten schreibe ich eben – und dazu brauche ich, außer dem bisschen Werkzeug, nur meinen Kopf. Unterwegs sein und arbeiten stellt also kein Problem dar. Den Input, den ich noch brauche, bekomme ich auch übers Internet. Die Zeiten, in denen man im Schlafanzug fünf Stockwerke hinunterlaufen musste, um sich eine Zeitung zu holen, sind ja zum Glück vorbei. Und so kann ich völlig entspannt, mit den Füßen im Sand oder in einem kleinen Pariser Bistro, deutsche Zeitungen lesen, News, Tipps und Trends verfolgen und studieren, was die geschätzten Kollegen so schreiben. So finden sich schnell Ideen und das fremde Umfeld ist ja auch immer für ein bisschen Inspiration gut. In Zeiten von Couchsurfing und airbnb schläft man ja auch nicht mehr abseits in Hotels oder in (mal mehr, mal weniger sauberen) Hostels, in denen einen Mehrbettzimmer und Gemeinschaftsbäder den letzten Nerv rauben. Heute wohnt man in den Städten, die man besucht, und sei es nur für eine Nacht. Morgens geht man mit den anderen Bewohnern des Viertels zum Bäcker, abends trifft man sich im Supermarkt, beim Gemüsehändler und in der Bar an der Ecke. Aber was mache ich, wenn die Römer, Madrillenos und Stockholmer nach dem Bäcker zur Arbeit gegangen sind?

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Vielleicht doch ein Cremehörnchen?

Ich setze mich in das nächste Café, bestelle einen Capuccino (natürlich nur Vormittags, ich bin schließlich kein Touri!) und fahre meinen Laptop hoch. Den ganzen Tag Zeit, die Sonne strahlt, der Tisch, an dem ich sitze, steht im Schatten von Pinien – was will man mehr? Jetzt fehlt nur noch die Idee für den neuen Text. Ein bisschen im Notizbuch blättern, ein bisschen den Passanten hinterherschauen, die Idee wird kommen. Am besten noch einen Espresso und ein Leitungswasser, dem Cremehörnchen widerstehen, Word öffnen und los geht’s!

Mmh. Noch keine zündende Idee. Vielleicht check ich nochmal schnell meine Mails. In meiner Timeline bei Facebook ist ja vielleicht auch was Interessantes. Naja, das war ja wohl alles nichts. Ob die Süddeutsche was Neues auf der Homepage schreibt? Oh, WLAN ist hier aber lahm, da geh ich morgen vielleicht doch in das Café an der Piazza, das ich vorhin gesehen habe, da ist es bestimmt besser. Die Notizen, die ich mir vorgestern im Flugzeug gemacht habe, klangen da auch noch interessanter. Langsam krieg ich Hunger… Ein kleines Panini zur Stärkung, dann fang ich aber wirklich an. Oder doch lieber Pizza Bianca? So schleichen Vormittag und Mittag vorbei und beim Espresso habe ich immer noch kein Wort geschrieben. Und schon macht das schnuckelige Café auch schon Pause, bis 18:00 Uhr ist mir nun quasi das Büro abhanden gekommen. Also packe ich meine Sachen und gehe spazieren. Mindestens jetzt ist doch genug Input für Kreativität da. Malerische Gassen, alte Gemäuer, laue Luft, tolles Licht – aber immer noch keine Idee. So geht der Tag zur Neige, ohne auch nur ein Wort zu schreiben. Abends gehe ich höchstens noch in die Bar an der Ecke, um die neuen Nachbarn kennenzulernen. Wie das so läuft, erzähl ich ein anderes Mal.

Schreiben ohne Ablenkung – besser zu Hause

Dort leben, wo andere arbeiten – das klingt total verlockend, und die Möglichkeit dazu hätte ich auch noch. Aber: Ich muss bei jedem Versuch, mal woanders zu schreiben und die Vorzüge eines Laptops auch richtig zu nutzen, feststellen: Für mich ist das nichts! Ich kann mich einfach nicht konzentrieren, wenn alles neu und aufregend ist. Selbst bei einem langen Wochenende bei meiner besten Freundin in Berlin (weder neu, noch aufregend) kommt der Laptop meistens nur zum Filme anschauen im Zug zum Einsatz. Ich arbeite am besten, wenn ich morgens aufstehe und mich nach dem Kaffee direkt an den Schreibtisch setze. Dann läuft das auch mit dem Schreiben. Das Reisen spare ich mir für den Urlaub auf, dann kann ich den wenigsten genießen – ganz ohne Schreibblockade. Und in schöner Umgebung schreiben kann ich auch im Park bei mir um die Ecke.