Besprechungen halten uns von der Arbeit ab!

Was lernt man eigentlich so im Studium, im Speziellen, wenn man Sprachen und Sozialwissenschaften studiert? Vor allem, auf die Frage: „Und was macht man damit später mal?“ irgendeine gute Antwort zu finden. Ich hab so ein Studium trotz aller Unkenrufe durchgezogen und brav alles gemacht, was man machen muss: Praktika, berufsorientierte Nebenjobs, Auslandsjahr. Dann: Magisterarbeit und – wider Erwarten und völlig überraschend für alle – sofort einen Job gefunden. Dort hab ich dann gemerkt, dass es im Arbeitsleben echt anders läuft. Klar, das sagt einem ja jeder vorher – Studium ist die beste Zeit im Leben. Da habe ich aber immerhin noch halbwegs diszipliniert gearbeitet und hatte trotz meiner drei Nebenjobs noch ausreichend Freizeit.

Neuer Job, neue wichtige Tätigkeit: Meetings

Nach ein paar Wochen an meiner neuen und ersten Arbeitsstelle merke ich, dass ab jetzt der Hase echt anders läuft: Aus den vertraglich vereinbarten 40 Stunden sind eher 55 bis 60 geworden. Und die meiste Zeit geht drauf für meine neuen Lieblingsbeschäftigungen: Besprechungen. Meetings. Konferenzen. Sitzungen. Der tägliche Marathon beginnt mit der Morgenkonferenz. Eine bis eineinhalb Stunden später hat man viel diskutiert, jeder hat sein Scherflein dazu beigetragen, aber wir haben alle noch nichts gearbeitet. Kaum am Platz, steht auch schon bald das nächste Meeting an. Ich habe schon nach wenigen Tagen in meinem Job das Gefühl, dass die Effizienz ziemlich auf der Strecke bleibt.

Das Zweitnervigste: E-Mails im CC

Alle wollen immer über alles informiert werden, was in meinen Augen dazu führt, dass zwar immer alle alles wissen, aber keiner wirklich mit seinen eigenen Projekten weiterkommt und andauernd abgelenkt wird. Ich weiß gar nicht, wie viele Mails ich am Tag nur mit Meeting-Terminen bekomme – und Mails, in denen ich einfach nur im CC bin. Warum auch immer.

Photo Of Sad Business Team Attending The Seminar

Und die Lösung?

Ich hab jetzt mal versucht, das zu analysieren und glaube, das Problem zu kenne. Niemand will mehr alleine für irgendetwas die Verantwortung tragen. Und wenn immer alles mehrfach besprochen wurde und dann noch alle im CC waren, dann kann einem ja niemand mehr etwas vorwerfen, dann hängen schließlich alle mit drin. Das ist auch irgendwie eine Frage der Unternehmenskultur. Entweder, einer traut sich nicht die Verantwortung für etwas auf sich zu nehmen, oder es wird ihm nicht zugetraut. Oder die Verantwortlichkeiten sind generell nicht klar verteilt. Mir kommt es auf jeden Fall so vor, als könnte nicht die einfachste Entscheidung wie die Anschaffung eines neuen Druckers getroffen werden, ohne darüber mehrfach zu beratschlagen. Und Anträge zu stellen.

Grundsätzlich betrifft das Problem wohl eher größere Firmen, als kleine Unternehmen und Start-ups. Das Problem: Ist der Mitarbeiter erst einmal drin in dieser Spirale, bestehen nur zwei Möglichkeiten: Er passt sich dem Ganzen an – oder er ist ganz schnell wieder weg. Der Wirtschaftsautor Lars Vollmer hat das ganze Problem in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung als „Business-Theater“ bezeichnet und die These aufgestellt, dass der größte Teil gängiger Managementpraxis Unsinn ist und die Leute systematisch von der Arbeit abhält. Er rät, ruhig auch mal die Regelwut im Unternehmen auf die Schippe zu nehmen oder die Idee in den Raum zu werfen, Meetings auch mal freiwillig abzuhalten. So kann man im Unternehmen wenigstens einen Denkanstoss loswerden. Und wenn das gar nicht klappt und das für einen selbst einfach nicht mehr tragbar ist, dann hilft oft nur noch eins: Eine Umorientierung.